Dreschflegel e. V.

Eigenes Saatgut ernten - natürlich ohne Gentechnik
(Autorin: Siegrid Herbst, Interessengemeinschaft gentechnikfreie Saatgutarbeit)

Der Dreschflegel e. V. hat sich mit acht weiteren Saatgutinitiativen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Interessengemeinschaft für gentechnikfreie Saatgutarbeit (IG Saatgut) zusammengeschlossen.

Vielfalt säen
Zusammenschluss von Saatgutinitiativen

Unser Ziel ist die Sicherung der gentechnikfreien Saatgutarbeit. Das heißt, wir wollen langfristig gentechnikfreies Saatgut sichern und die Vielfalt an gentechnikfreien Kulturpflanzen erhalten und entwickeln. Außerdem wollen wir die Existenz von Initiativen und Unternehmen sichern, die an gentechnikfreien Kulturpflanzen arbeiten und diese erhalten, entwickeln, züchten und nutzen.

Um besondere Beachtung bitten wir für die aktuelle Saatgutkampagne "Vielfalt säen"


Im März 2005 hat die IG Saatgut mit finanzieller Unterstützung der Zukunftsstiftung Landwirtschaft eine Koordinierungsstelle eingerichtet. Als Koordinatorin organisiere ich den internen Austausch und informiere über aktuelle Entwicklungen im Spannungsfeld zwischen Gentechnik und gentechnikfreier Saatgutarbeit.

Ich vertrete die Interessen der Saatgutinitiativen im Rahmen der gentechnikkritischen Lobbyarbeit der Verbände aus Umwelt-, Natur-, Verbraucherschutz und Landwirtschaft. Außerdem sind wir dabei, uns intensiver mit anderen europäischen Saatgutorganisationen zu vernetzen.


In 2006 war ein Schwerpunkt unserer Arbeit die von Landwirtschaftsminister Seehofer lange angekündigte Änderung des Gentechnikgesetzes. Die IG Saatgut hat zum Gesetz Anforderungen für die Sicherung gentechnikfreier Saatgutarbeit vorgelegt und erstmals ein Fachgespräch mit dem zuständigen Referatsleiter geführt:

  • Das Gesetz und die geplante "Verordnung zur guten fachlichen Praxis" müssen einen Rahmen dafür schaffen, dass es in der Saatgutarbeit nicht zu einem Schaden durch gentechnische Verunreinigungen kommt.
  • Erhöhte Kosten, um gentechnische Verunreinigungen zu vermeiden (beispielsweise durch Tests, Schutzmaßnahmen, Planungsaufgaben, gemeinschaftliche Maschinennutzung und Umstellung von Betriebsstrukturen) dürfen nicht SaatguterzeugerInnen aufgebürdet werden, die gentechnikfrei arbeiten. Wir fordern, dass ein umfassendes VerursacherInnenprinzip angewendet wird: die Konzerne, die Profite mit gentechnischen Pflanzen machen wollen, und Gentechnik-AnbauerInnen sollen die Kosten zum Schutz vor Verunreinigungen tragen.
  • Das öffentliche Standortregister muss erhalten bleiben. Darüber hinaus ist eine Informationspflicht für GentechnikanwenderInnen gegenüber SaatguterzeugerInnen und benachbarten Betrieben erforderlich.

Die aktuelle gentechnische Verunreinigung von Langkornreis aus den USA mit der Gentech-Reissorte LibertyLink 601 (LL601) zeigt wieder einmal, wie wichtig Regelungen für die Sicherung gentechnikfreier Saatgutarbeit sind.

Durch Freisetzungsversuche - also ohne Zulassung als Lebens- oder Futtermittel - wurde Basis-Saatgut einer konventionellen Reissorte verunreinigt. Da aus Basis-Saatgut das Reissaatgut für den Verkauf vermehrt wird, gelangten wahrscheinlich auf diesem Wege geringe Mengen von LL601 auf Felder in den USA, wurden unbemerkt vermehrt, bis sie schließlich über die Vermarktungskette in europäische Supermärkte gelangten.


Außerdem haben wir uns 2006 inhaltlich auf den gentechnisch veränderten Maisanbau in Deutschland konzentriert. Wir haben ihm die Aktion "Bantam-Mais - eigenes Saatgut ernten natürlich ohne Gentechnik" entgegengesetzt, zusammen mit Save our Seeds.

Mit der Aktion wollten wir eine Möglichkeit schaffen, sich aktiv für eine gentechnikfreie Nachbarschaft und gentechnikfreie Saatgutarbeit einzusetzen. Das ist gelungen. Rund 12.000 Menschen haben mitgemacht. Wir wollten in der breiten Öffentlichkeit die Frage aufwerfen, wie gentechnikfreie Saatgutvielfalt und private Saatgutvermehrung im Hausgarten vor gentechnischen Verunreinigungen geschützt werden können.

Mais haben wir als Beispiel gewählt, weil er in diesem Jahr als einzige gentechnisch veränderte Kultur kommerziell in Deutschland angebaut wurde. Für die Aktion haben wir die Sorte "Golden Bantam" gewählt. Natürlich konnten sich TeilnehmerInnen auch mit anderen Sorten beteiligen: z. B. "Rainbow Inka" oder "Black Aztek", beides Zuckermais-Sorten, die bei der Dreschflegel-GbR zu beziehen sind.

Es ging auch darum, Optionen auf rechtliche Schritte zu eröffnen: Wer selbst Mais anbaut, hat ein "berechtigtes Interesse", vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zu erfahren, wer in der Nachbarschaft gentechnisch veränderten Mais anbaut. Doch ohne Rücksicht auf die Saatgutvermehrung erhalten Menschen, die weiter als 1000 Meter entfernt von gentechnisch verändertem Mais eigenes gentechnikfreies Saatgut gewinnen wollen, keine Auskunft mehr.


Wir haben geprüft, ob Einsprüche bzw. Schadensersatzansprüche gegen den Anbau gen-technisch veränderter Pflanzen erhoben werden sollten, und haben uns aus Vorsichtsgründen und in Absprache mit Rechtsanwälten dagegen entschieden. So lange das Gentechnikgesetz nicht verabschiedet ist, wollten wir keinen Präzedenzfall schaffen, bei dem Gerichte vielleicht einen viel zu niedrigen Schaden definiert hätten. Unser Ziel bleibt: erst gar keinen Schaden entstehen zu lassen!

Im Jahr 2006 sind glücklicherweise die wenigsten GärtnerInnen, die an der Bantam-Mais-Aktion teilgenommen haben, direkt von gentechnisch verändertem Anbau in der Nachbarschaft betroffen gewesen und können unbedenklich ihr eigenes Saatgut gentechnikfrei ernten. Viele für den Anbau von gentechnisch verändertem Mais gemeldete Flächen wurden wieder zurückgezogen. In ganz Deutschland sind für Forschungszwecke und zum kommerziellen Anbau weniger als 1.000 Hektar übrig geblieben.


Kein Grund sich auszuruhen! Erstmals wurde in diesem Jahr gentechnisch veränderte Gerste im Versuch angebaut. In Gatersleben wurden Versuche mit Gentech-Weizen und in Groß Lüsewitz mit Gentech-Raps angemeldet.

Die Gentech-Lobby will den kommerziellen Gentech-Mais Anbau voranbringen. Setzen Sie etwas dagegen: Veranstaltungen, Feste, Sortenvielfalt und eigene Saatgutvermehrung (die Bantam-Mais-Aktion wurde auch in 2008 fortgesetzt), gentechnikfreie Regionen etc. So bleibt die Kritik an gentechnischer Pflanzenmanipulation laut, und Alternativen können Kreise ziehen, die immer größer werden.


Kontakt: Interessengemeinschaft für gentechnikfreie Saatgutarbeit,
Siegrid Herbst, Hohe Straße 9, 30449 Hannover
Tel 0511-924001-837, Fax 0511-924001-899
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