Dreschflegel e. V.

Mit den Palmen fing alles an (Autoren: Reinhard Lühring und Tomma Willms, 2015)

Ostfriesische Kulturpflanzenvielfalt lebendig erhalten

In den Saaten & Taten 2000 haben wir das erste Mal über die Ostfriesische Palme berichtet. Und über den Etikettenschwindel, dass im normalen Saatguthandel niedriger, nicht winterharter Grünkohl als Ostfriesische Palme angeboten wurde.

Palmen sind aber groß und frostfest! Und sie entstammen einer Gartenkultur, bei der das eigene Saatgut dazu gehört: Die Leute sind "stolz darauf, bestimmte Gemüsesorten seit Generationen in ihrer Familie angebaut, verarbeitet, gegessen und das Saatgut gewissenhaft für den nächsten Anbau gesichert zu haben".

Diese Form traditioneller Gartenkultur ist ein Auslaufmodell. Garten und Sorten werden nicht selbstverständlich von der nächsten Generation übernommen. Deswegen haben wir in den 90ern verschiedene Herkünfte der Ostfriesischen Palmen gesammelt.

Was damals klein und eher zufällig anfing, ist im Laufe der Jahre groß und umfassend geworden. 2005 bis 2007 wurden unsere Aktivitäten durch „Regionen aktiv“ und die Niedersächsische Umweltstiftung gefördert.

In diesen Jahren haben wir etwa 200 Herkünfte der Arten Stangenbohne, Buschbohne mit und ohne Faden, Trockenbohne in weiß, braun und rot-weiß, Einlochbohne, Puffbohne, Zuckererbse hoch- und niedrigwüchsig, Markerbse, Kartoffel, Tomate, Neuseeländerspinat, Bauerntabak, Schalotte, Etagenzwiebel, Grünkohl und Blaukohl sammeln und sichten und anschließend durch ehrenamtliches Engagement erhalten können.

Es zeigt sich aber, dass der persönliche Einsatz von einzelnen Personen nicht ausreicht, um den besonderen Schatz dieser Region zu erhalten. Nun stellt sich die Frage, wie es mit den ostfriesischen Sorten weitergehen kann.

Uns sind sie wertvoll, denn sie haben viele Geschmacksvariationen, eine große Formenvielfalt und sind meist sehr robust, da sie sich regional an die Klima- und Umweltbedingungen angepasst haben.

Allein beim Grünkohl beispielsweise werden 33 Herkünfte erhalten. Hierbei gibt es unterschiedliche Blattformen und große Geschmacksunterschiede von kohlig herb bis mild süßlich.

Wie kann in unserer mobilen Zeit wieder eine Kontinuität hergestellt werden, in der sich Menschen um Sorten kümmern, ohne damit alleine dazustehen? In Saaten & Taten 2014 hat Kirsten Grover über die RegioSaatCoops berichtet: Es gibt wieder ein verstärktes Interesse an Garten und Saatgut, und auch daran, Saatgutarbeit in die eigenen Hände zu nehmen.

Unser für die nächsten Jahre geplantes Projekt will das zusammenführen: Alte Sorten, frisches Interesse und neue Formen von Vernetzung, die über Familienstrukturen und individuelle Verantwortungen hinausgehen: Ein Netzwerk von Menschen, die sich alter ostfriesischer Sorten annehmen und die dafür neue Strukturen entwickeln.

Aufruf!

Wir freuen uns über Interessierte, die die ostfriesische Kulturpflanzenvielfalt in ihren eigenen Gärten lebendig mit erhalten möchten.

Wie? Wir stellen im Rahmen des geplanten Projektes Saatgut zur Verfügung und stehen mit Rat zur Seite. Schön wäre es, auch von Menschen zu hören/ zu lesen, die dieses lebendige Erhalten von alten ostfriesischen Sorten bereits praktizieren. Denn aus dem Projekt soll eine Broschüre über die ostfriesische Kulturpflanzenvielfalt hervorgehen. Auch hierfür ist ein Erfahrungsaustausch spannend.

Wenn wir Interesse geweckt haben, gerne melden bei:
Tomma Willms, fon 04924-990065, mail tomma.willms@ewetel.net oder Reinhard Lühring, fon 04952-828401, mail r.luehring@gmx.net


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